3 Inspirationen zum Thema... Loslassen
- Julia
- vor 5 Tagen
- 13 Min. Lesezeit
Von der Kraft der Veränderung und der Annahme des «Ist-Zustands»
Eine Rückmeldung und viele Gedanken
"Bin auf dem Nachhauseweg und habe soeben den Beitrag über die Freiheit gelesen..." So fing die Rückmeldung meines Bruders an, welche mir nun bereits seit mehreren Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht und ich daher unbedingt mit dir teilen möchte. Besonders interessant finde ich die Tatsache, dass mein Bruder bei mir genau das erreichte, was ich bestenfalls mit meinen Beiträgen bei dir erreichen möchte. Einen Perspektivenwechsel. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich mich auch riesig über deine Gedanken zu meinen Beiträgen freuen würde - so können wir zusammen wachsen und uns gegenseitig inspirieren.
Aber nun zur Sache: Die Kernaussage meines Bruders war, dass er den Beitrag sehr optimistisch fand - genau dieser Optimismus könne aber, je nach Lebenssituation, statt empowernd -, erdrückend wirken. Meine Suche nach Lösungen, könnte an dieser Stelle statt Erleichterung, zusätzlichen Druck bewirken...
Diese Möglichkeit stimmt mich sehr nachdenklich. Wie war das wohl bei dir?
Tatsächlich habe ich erst vor ein paar Tagen über die Prinzipien der Achtsamkeit gelesen, wobei meine Aufmerksamkeit beim Prinzip "Geduld" etwas länger verweilte. Sinngemäss stand dort in der Beschreibung, dass jede Entwicklung ihre Zeit braucht und man die Dinge auch mal "werden lassen" darf. Vielleicht gibt es im Moment einfach keine Lösung! Während ich das Schreibe merke ich, wie sich etwas in mir bewegt... Situationen aushalten. Wenn ich das nur höhre, spannt sich in mir alles an. Kennst du den Spruch, "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."? Das habe ich tatsächlich bereits ausprobiert :).
Ich persönlich wechsle immer vom Problem direkt in die Lösungsfindung. Fast getrieben vom nicht-Aushalten-wollen der aufkommenden Gefühlen wie Verzweiflung oder gar Hoffnungslosigkeit.
Dieses manchmal fast naiv erscheinende Nicht-wahrhaben-wollen, dass etwas auch einfah einmal scheisse ist, fugiert als unerbittlicher Antreiber. Vielleicht könnte ich auch mir selbst etwas Stress ersparen, wenn ich den Gedanken mehr und mehr zulasse, dass es jetzt im Moment einfach so ist, wie es ist. Und dass es genau so sein darf. Danach könnte ich vielleicht das Loslassen von der Erwartung an mich selbst, immer eine Lösung liefern zu müssen, geschehen lassen. Alle Gefühle dasein zu lassen, zu erkunden. Was wollen Sie mir zeigen? Vielleicht braucht ich einfach Raum. Vielleicht brauchst auch du nicht mehr, als dir selbst den Raum zu geben und die aufkommenden Gefühle da sein zu lassen. Das Leben ist manchmal einfach scheisse, ungerecht und zum Verzweifeln. Punkt.
Für mich eine enorm wichtige Lektion. Es darf so sein, wie es ist. Ich denke, dass ich da kein Einzelfall bin. Wir leben in einer so schnellebigen Zeit, wo wir verlernt haben zu warten und den Dingen ihre eigene Zeit zu lassen. Alles hat seine eigene Zeit.
Loslassen, was soll das?
So, kommen wir nun also zum ursprünglichen Thema dieses Beitrages: Loslassen
Loslassen ist ein riesengrosses, vielfälltiges Thema, mit welchem man ganze Bücher füllen kann und in diesem Kontext nicht abschliessend behandelt werden soll. In meinem Blog möchte ich mit dir, wie

immer, meine ganz persönlichen Erfahrungen und Gedanken dazu teilen. Vielleicht kann ich dich dazu
anregen, dich selbst mit diesem Prozess auseinander zu setzen und somit dein Bewusstsein darauf einzustimmen.
«Lass doch einfach los!» Wie oft hast du diesen oder ähnliche wohlgemeinte Ratschläge bereits von deinen Angehörigen auf den Weg bekommen? Oder vielleicht sogar zu dir selbst gesagt? Es klingt so einfach, ist so schnell ausgesprochen. Doch oft ahnt der Absender nicht, was das alles mit sich bringen kann. Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du den Begriff «Loslassen» liest?
Bei mir, wie wahrscheinlich auch bei vielen anderen Menschen, kann dieses Wort zuerst einmal Verlustangst auslösen. Sicherlich ist es im ersten Moment einfacher, nichts zu verändern und an Gewohntem festzuhalten. Daran ist auch überhaupt nichts auszusetzen. Oft wird ein Gefühl von Sicherheit damit verbunden, welches man nicht so einfach aufgeben möchte. Ohne das Loslassen von Altem, kann jedoch NICHTS Neues entstehen.
Hier dient uns die Natur als lebenden Beweis. Einen Weiher, dem über Jahre hinweg kein frisches Wasser zugefügt wird, entwickelt sich immer wie mehr zu einer faulig riechenden Brühe. Während man aus einem Bergbach getrost trinken kann. Die ganze Natur verändert sich immer wieder im Rhythmus der Jahreszeiten. Der Frühling, welcher die gesammte Natur erwachen und spriessen lässt, der Sommer mit seiner vollen Farbenpracht, die Ernte, und der langsame Rückzug angekündigt durch die fallenden Blätter und verblühenden Blüten, die Ruhe- und Regenerationsphase des Winters, nur um im Frühling wieder Neues entstehen zu lassen... Wieso sollte es bei uns Menschen anders sein? Denn ob wir wollen oder nicht, sind auch wir Teil der Natur und daher stetiger Veränderung unterworfen. Das Leben ist nun einmal ein auf und ab, ein hin und her, ein kommen und gehen. Unsere Entscheidung ist lediglich, ob wir uns dagegen wehren wollen, oder ob wir versuchen, diesem Prozess zu vertrauen und das ihm innewohnende Potential zu entdecken und für uns nutzen zu lernen. Man muss nicht vom einen Tag auf den anderen Master im Loslassen werden. Vielleicht wird es mit den Jahren leichter, aber es hört NIE auf. Wir dürfen das Loslassen selbst annehmen und dadurch, so widersprüchlich es auch klingen mag, loslassen. Loslassen ist das Leben selbst oder anders ausgedrückt: Solange Veränderung und damit Loslassen stattfindet, sind wir am leben!
Exkurs "Annehmen und Loslassen"
Das Wichtigste, um etwas wirklich gehen lassen zu können, ist sich zuert einmal vertieft damit auseinander zu setzen. Hinzuschauen. Es gibt einen Grund, warum etwas nicht von selber geht, sondern von dir losgellassen werden möchte. Es gibt etwas, was zuerst einmal von dir gesehen werden möchte! Kurz: Etwas fordert deine Aufmerksamkeit.
Man kann etwas auch einfach auf die Seite schieben und nicht mehr beachten. Dies wirkt auf den ersten Blick verlockend und auch einfacher. Unser ganzes Konsumsystem ist darauf ausgerichtet, mit einem schnellen Kauf oder dem Konsum von verschiedenen Medien, herausfordernde Gefühle nicht fühlen zu müssen. Von allen Seiten wird damit geworben, dass man nur XY erwerben müsse, um endlich glücklich zu sein. Dieses nicht konfrontieren wollen führt dich immer weiter von dir weg... Deine Gefühle sind nichts anderes, als Wegweiser auf dem Weg zurück zu dir.

Wenn du etwas verdrängst, geht es nicht aus deinem Leben, es verschwindet lediglich in deinem Unterbewusstsein. Oft meldet sich dasselbige mit Gefühlen, welche wir nicht zuordnen können, Gedanken oder Träumen. Diese können einen immensen Einfluss auf unser Leben nehmen. Dies ist jetzt eine sehr vereinfachte Darstellung. Doch möchtest du, dass dein Leben durch Dinge gesteuert wird, welche du eigentlich nicht da haben möchtest? Es lohnt sich genauer hinzuschauen und dir die Zeit zu nehmen, dich mit dir selber auseinanseder zu setzen. Dieser Blog kann dir Anregungen dazu bieten. Um jedoch vertiefter an dir und deinen unbewussten Anteilen zu arbeiten, empfehle ich dir auf jeden Fall Kontakt mit einem*r Therapeut(en)*in aufzunehmen.
1 Its your turn
Einer unserer engsten Verbündeten im Prozess des Loslassens ist niemand anderes als unser eigener Atem. Wir atmen ein, halten den Atem kurz fest und atmen wieder aus. Ein natürliches kommen und gehen, ohne das wir nicht überleben können.
Nun möchte ich mit dir eine kurze Atemübung teilen, welche du ohne ein Hilfsmittel überall anwenden kannst. Grandios, nicht? Den das wichtigste hast du immer mit dabei: deinen eigenen Atem.
Atemübung zum Thema Loslassen
Finde eine bequeme Position
Schliesse die Augen und atme ein paar Mal tief ein und aus. Lass deinen Organismus mit jedem Atemzug mehr und mehr zur Ruhe kommen.
Atme (4 Sekunden) tief ein und stelle dir nun vor, wie du Gedanken oder Sorgen, welche du nicht loslassen kannst, in dich aufnimmst.
Halte kurz den Atem an (2 Sekunden).
Beim Ausatmen (7Sekunden) stellst du dir nun vor, wie du all deine Sorgen und Gedanken aus deinem Körper und Geist entweichen lässt.
Wiederhole den Atemrhythmus (11 mal) - einatmen (aufnehmen), ausatmen (loslassen)
Jeder Atemzug ist eine Gelegenheit, mehr loszulassen.
Nach dem du ein paar Minuten geübt hast, atme noch einmal tief ein und aus und öffne deine Augen.
3 Inspirationen zum Thema Loslassen
Vergänglichkeit und Loslassen
Rückblickend scheint das Kreisen meiner Gedanken um die Vergänglichkeit zu einem Zeitpunkt angefangen zu haben, wo etwas Ruhe in mein Leben eingekehrt war. Meine Ausbildung ist abgeschlossen und ich fühle mich wohl an meinem Arbeitsplatz. Auch in den anderen Bereichen meines Lebens habe ich sehr Vieles, wofür ich unendlich dankbar bin. Mein Leben verläuft momentan in ruhigeren, berechenbareren Strukkturen als noch vor ein paar Jehren. Wenn ich ehrlich bin, haben mich solche immer wiederkehrende Strukkturen schon immer unruhig gemacht. Die Welt ist so gross und es gibt viel zu entdecken. Mein Geist scheint fast so, als würde er permanent mit Anlauf gegen die Wände, der mich umgebenden Strukkturen rasen. Dabei trommelschlagend wild um sich schauen, als müsste er sich permanent etwas suchen, worüber er sich sorgen kann. Was ihn beschäftigen kann. Kennst du das auch? Ich darf lernen diese Ruhe auszuhalten, meinen Geist zur Ruhe kommen zu lassen und zu geniessen. Denn wonach habe ich mich in stürmischen Zeiten am meisten gesehnt? Ja genau, nach Ruhe! Oder?? Doch gleichzeitig fühle ich mich mir gegenüber verpflichtet, mich diesem Thema, woran sich mein Gesit festgekrallt hat, zuzuwenden. Denn vielleicht kommt es dir bekannt vor: Wenn wir etwas loslassen möchten, dürfen wir uns zuerst einmal damit beschäftigen.
Immer, wenn sich etwas verändert, vergeht auch etwas. Etwas war und muss nun gehen, um dem Neuen Platz zu machen. Manchmal bin ich mir dem so sehr bewusst, dass es fast zwanghaft meinen ganzen Geist zu besetzen scheint. Es vergehen Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen und schon ist wieder ein Jahr vorbei. Unweigerlich schreitet alles voran. Manchmal möchte ich am liebsten alles konservieren. Beim Blick in den Spiegel wird mir bewusst, wie auch ich mich verändere. Wie ich vergehe. Von Tag zu Tag. Unaufhaltsam. Es gibt kein Mittel dageggen.
Wenn wir eine Situation nicht ändern können, müssen wir uns ändern
Viktor Frankl

Möchte ich mein Leben damit verbringen, etwas aufhalten zu wollen, was einfach nicht aufzuhalten ist? Gegen etwas zu kämpfen, was so mächtig ist, wie das Leben selbst? Es ist ja das Leben selbst. Das Leben ist Veränderung.
Ist es gut, ist es schlecht? Ich weiss es nicht!
Aus meiner Perspektive betrachtet, scheint es erst einmal nicht gut zu sein, dass ich vergehe und irgendwann einmal nicht mehr da bin. Doch mit jedem Jahr, in dem ich hier auf der Welt sein darf, lernen ich mit anderen Augen auf das Leben zu schauen. Gewinne an Erfahrungen und Perspektiven dazu.
Auf meiner Suche nach Antworten bin ich auf ein Zitat von Joyce Wellwot gestossen, welches ich an dieser Stelle mit dir teilen möchte:
Lasst uns aufhören so zu tun als wüsste wir nicht, was hier los ist. Schaut, alles was verloren gehen kann, wird verloren gehen. Es ist so offensichtlich, wie konnten wir es nur so lange übersehen. Lasst uns über unsere Verluste trauern. Lasst uns aber bitte nicht erschrecken und so tun, als wären wir verraten worden. Als ob das Leben sein heiliges Versprechen gebrochen hätte. Vergänglichkeit ist des Lebens einziges Versprechen und es hält es mit rücksichtsloser Zuverlässigkeit. Reisst es das Unwirkliche weg, um uns das Wirkliche zu zeigen. Lasst uns tanzen, den wilden Tanz ohne Hoffnung.
Joyce Wellwot
Komm wir schreiben das Gedicht weiter... Bist du dabei?
Lasst uns Leben, von Minute zu Minute, von Tag zu Tag. Lasst die Tage verstreichen, lasst Sie verstreichen, aber nicht ungenutz bleiben.
Lasst uns mit jedem verstrichenen Tag etwas dazugewinnen, was nicht verloren gehen kann. Lasst uns die Tage bewusst erleben. Weniger in der Vergangenheit, den die Vergangenheit besteht aus Erinnerungen. Weniger in der Zukunft, den die Zukunft existiert nur in unserer Vorstellung. Der einzige gestaltbare Moment liegt genau jetzt vor dir. Was möchtest du jetzt tun und mit wem?
Liebe und Loslassen
Durch die Beziehung zu meinem Partner, wurde ich das erste mal ganz bewusst mit dem Thema Loslassen herausgefordert. Anders als es vielleicht zuerst den Eindruck erwecken mag: Wir sind nach wie vor glücklich zusammen. Früher habe ich mich jedoch so stark an meinen Partner geklammert, dass ihm dabei manchmal fast die Luft zum Atmen fehlte. Also war die rückblickend logische Folge, dass er sich dadurch immer wie mehr von mir entfernte. Bis ich ihn fast verlor. Er brauchte Luft, wollte Atmen. In einem Gespräch mit meiner Mutter wurden mir die Augen geöffnet. In diesem sicheren Rahmen des Gesprächs, gelang es mir, von einer Metaebene aus auf unsere Beziehung zu schauen und bekam durch die emotionale Distanz, die Chance zu hinterfragen. Wieso empfand ich es als eine Notwendigkeit, ihm so wenig Freiraum zu gewähren? Klar, weil ich Angst hatte, dass er mich verlässt, sobald ich den Raum etwas öffne. Aber wollte ich wirklich mit einer Person zusammen sein, die das tun würde? Ist das meine Definition von Liebe? Nein, natürlich nicht! Also fing ich an immer wie mehr zurückzutreten. Dies verlangte von mir sehr viel Achtsamkeit und ein stetes Hinterfragen meines Verhaltens. Anders als erwartet, blühte mein Partner dadurch immer wie mehr auf und bewegte sich anstatt von mir weg, auf mich zu. Durch mein zurücktreten, durchbrach ich den Teufelskreis. Indem etwas Luft entstand zwischen uns, bekam er überhaupt erst die Gelegenheit, auf mich zuzukommen. Solange ich so dicht hinter ihm her war, blieb für ihn nur die Flucht nach hinten. Natürlich ist das nur ein Beispiel und könnte, je nach Beziehung und Umständen auch völlig anders ausgehen. Trotzdem wage ich zu behaupten, ein Muster dahinter zu erkennen, was auch auf andere Beziehungen oder Lebenssituationen übertragen werden könnte. Als ich meinen Partner darauf ansprach, stellte sich heraus, dass diese Veränderung für ihn völlig unbewusst verlief. Seine einzige Aussage dazu war: «Ich fühle mich freier.»
Vorstellungen und Loslassen
Heute morgen ertappte ich mich selbst dabei, wie ich beim Abwaschen vor mich hin sprach. Selbstgespräche zu führen klingt zuerst einmal verrückt. Kann jedoch unheimlich viel Klarheit bringen, die Gedanken, welche man immer und immer wieder denkt, einmal laut auszusprechen. Wenn du magst, versuch es einmal und/oder schreib mir in die Kommentare, wie deine Erfahrungen dazu sind. Ich sprach also so vor mich hin und versuchte mir meine ziemlich bedrückte Stimmung zu erklären. Dabei hatte ich eine, für mich bedeutsame, Erkenntnis: Es ist an der Zeit eine Vorstellung loszulassen. Mein Partner und ich hatten gestern ein Gespräch über Ferien. Dabei erklärte er mir, dass die Familienferien für ihn schon länger keine Erholung mehr darstellten. Er habe keine Lust Kompromisse zu schliessen, es gäbe zu wenig Platz in unserem kleinen Bus und sowieso. Auf mein Nachfragen hin meinte er, er sei momentan sowieso sehr unzufrieden mit sich selber und brauche viel Zeit für sich, um mit seinen Befindlichkeiten klar zu kommen. Jetzt heisst es für mich, auch wenn vielleicht nur vorübergehend, mich vom Bild unserer gemeinsamen Ferien zu verabschieden. Unsere Ferien waren und sind für mich immer Inseln, wo wir uns als Familie, abseits unseres oft sehr anspruchsvollen Alltages begegnen können. Unsere Batterien aufladen. Uns näher kommen. Während dem ich das schreibe laufen mir die Tränen herunter. Es ist manchmal einfach richtig scheisse, loszulassen. Aber mal ehrlich, was bringt es mir krampfhaft an etwas festzuhalten, was nicht mehr stimmig ist? In diesem Fall betrifft es ja nicht nur mich, sondern uns alle als Familie. Deshalb muss ich an diese Stelle loslassen. Jedoch mit der kleinen Hoffnung im Herzen, dass dadurch etwas vielleicht noch viel intensiveres und schöneres entstehen kann. Oder nicht? Loslassen bedeutet sich hinzugeben. Denn nur wer mit beiden Händen loslässt, hat die Arme frei, um zu fliegen: Im Loslassen liegen die Flügel der Freiheit. Das wollen wir doch schlussendlich Alle. Frei sein.
2 Its your turn
Schnapp dir dein Notizbuch und suche dir einen Ort, wo du dich für etwa 30 Minuten zurückziehen kannst. Vielleicht magst du die oben beschriebene Atemübung machen oder dir ein wohltuendes Getränk zubereiten? Mach es dir so richtig gemütlich. Versuche den Fragen mit einer offenen Haltung zu begegnen. Die Ehrlichkeit und Offenheit uns selbst gegenüber, sind mit die grössten Gamechanger in der Persönlichkitsentwicklung.
5 Fragen zur Selbstreflexion

Gibt es etwas, was du schon länger loslassen möchtest, es dir aber nicht so richtig gelingen will? (Falls nein, springe zum dritten Punkt)
Wie profitierst du davon? Oder etwas weniger provokannt ausgedrückt: Was für einen Mehrwert gibt dir das Nicht-loslassen-können in dieser Situation?
Gibt es etwas oder jemanden in deinem Leben, das oder den du schon länger Loslassen möchtest, dir aber bisher den Mut dazu gefehlt hat?
Was könntest du schlimmstenfalls verlieren, wenn du loslässt?
Was wäre der schönste Gewinn daraus für dein Leben?
Sich selbst einzugestehen, dass es da etwas gibt, was man lange Zeit nicht loslassen konnte, wollte, ..., kann oft etwas vom Herausforderndsten am ganzen Prozess sein. Den wer gibt schon gerne zu, dass er schon viel zu lange an etwas festhält, was ihm nicht gut tut oder sogar schadet?
Ein Erklärungsversuch, eine Metapher und ein Haufen Fragen zum Schluss
Wieso scheint das Loslasse eine so grosse Hürde für uns darzustellen?
Bevor ich ein Antwortversuch auf diese Frage wage, möchte ich zuerst eine relativ entnervte These in den Raum stellen:
Der Mensch (dazu gehöre natürlich auch ich) möchte immer eingreiffen, alles und jeden kontrollieren und erhofft sich dadurch nichts geringeres als Sicherheit.
Ja, dagegen ist zuerst einmal nichts einzuwenden. Doch welche Konsequenzen hat dieser Wunsch nach Kontrolle für unser Leben? Dies sieht man im Übertragenem Sinne an so vielen Flüssen und Seen. Der Mensch kommt und dämmt den Fluss mit einer Mauer ein. Doch was passiert? Sobald der Fluss überall gleichschnell und kontrolliert ströhmt, können Fische, welche die Ränder des Flusses und das dort langsamer fliessende Wasser bevorzugen, nicht mehr existieren. Es hat keinen natürlichen Lauf, wenn man dem Fluss etwas aufzwingt. Er verliert an Schönheit und opfert seine Lebendigkeit zugunsten der Kontrolle. Was könnte das in Bezug auf dein Leben bedeuten? Geht es nicht genau darum, sich dem Fluss des Lebens hinzugeben?
Wenn ich loslasse, mich der Freude oder gar Begeisterung hingebe, die mich umgebenden Mauern niederreisse, was passiert? Mit dem Wegfallen von Kontrolle ist die einzig logische Folge: Chaos! Deshalb halte ich lieber an allem fest. Errichte mir über Jahre mit viel Mühe und Ressourcen Staudämme. Hege und pflege sie. Halte die Elemente in Schach. Doch vielleicht übersehen wir etwas wichtiges, vielleicht darf ich auch hier den Fluss als Metapher herbeiziehen... Vielleicht ist es wie bei der Renaturierung von Gewässern: Durch das Loslassen von Dämmen, in Form von Gedanken, Situationen oder anderem, finden wir zu unserem natürlichen Zustand zurück. Was löst diese Möglichkeit in dir aus? Versuche nicht jetzt gleich Antworten zu finden. Wir können zusammen die Fragen für den Moment auch einfach Fragen sein lassen. Ganz nach dem Motto: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
Loslassen gelingt nie unter Druck. Wenn wir etwas müssen oder zu etwas gedrängt werden, verursacht das in den meisten von uns Stress. Um dieses Gefühl wiederum zu kompensieren, suchen wir nach Sicherheit – oft durch das Festhalten von Gewohntem. Merkst du worauf ich hinaus gehen möchte? Du musst nicht loslassen. Du darfst dir jedoch angewöhnen genauer hinzuschauen. Entdecken, wieso du genau dieses Gefühl in diesem Moment fühlst. Wenn du das einmal gemacht hast, kann das Loslassen als Konsequenz folgen. Ansonsten, nochmals hinschauen und fragen: Wieso, weshalb, warum?
3 It's your turn
Brief an dein Herz

An was magst du dich als erstes erinnern, wenn du an das Gelesene zurückdenkst?
Welche eine Sache möchtest du heute noch umsetzen?
Welcher Gedanke oder welche Gewohnheit darfst du loslassen?
Was würdest du tun, wenn du dich von ganzem Herzen lieben würdest?
Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du zutiefst dankbar?
Was möchtest du dir sonst noch sagen?
Zeitempfinden
Schluss 2.0
Nun möchte ich einen Textausschnitt mit dir teilen, als Einstimmung auf das nächste Thema, welches ich mit dir zusammen erforschen möchte: Zeitempfinden. Der Beitrag dazu erscheint am Samstag, 31.05.2025.
Ein Ausschnitt aus dem Roman "Zauberberg" von Thomas Mann
„Was ist denn die Zeit?“ fragte Hans Castorp und bog seine Nasenspitze so gewaltsam zur Seite, dass sie weiss und blutleer wurde. „Willst Du mir das mal sagen? Den Raum nehmen wir doch mit unseren Organen wahr, mit dem Gesichtssinn und dem Tastsinn. Schön. Aber welches ist denn unser Zeitorgan? Willst Du mir das mal eben angeben? Siehst du, da sitzt du fest. Aber wie wollen wir denn etwas messen, wovon wir genaugenommen rein gar nichts, nicht eine einzige Eigenschaft auszusagen wissen! Wir sagen, die Zeit läuft ab. Schön, soll sie also mal ablaufen. Aber um sie messen zu können… warte! Um messbar zu sein, müsste sie doch gleichmässig ablaufen, und wo steht denn das geschrieben, daß sie das tut? Für unser Bewusstsein tut sie es nicht, wir nehmen es nur der Ordnung halber an, dass sie es tut, und unsere Masse sind doch bloss Konvention, erlaube mir mal …“
Quelle: Karl-Heinz Heidtmann, Zweitgeist.net
Mindset is everything! Bis zum Nächsten Mal!
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